Publikation von Christoph Puppe

Ändern die AWS- und Azure-Ausfälle etwas? Vergleich der Downtimes von On-Premises- und Cloud-Umgebungen

2026 · iX 1/2026, S. 106–109 · online 28.11.2025 · Christoph Puppe

Die Ausfälle der beiden Hyperscaler im Oktober 2025 seien der Beweis für die Unsicherheit der Cloud, so der Tenor vieler Kommentare. Das ist die Nirvana Fallacy: Man vergleicht eine realistische, aber unvollkommene Option mit einer perfekten, aber unmöglichen. Der Artikel vergleicht deshalb drei Placement-Strategien ausschließlich anhand nachweisbarer Fakten. Weil eine Kennzahl fehlt, die Teilausfälle ins Verhältnis zum Gesamtangebot setzt, wird transparent eine eigene konstruiert, der BlastRadius-KPI aus Dauer, Schweregrad und Betroffenenzahl aller Incidents seit 2020. Das Ergebnis: AWS kommt auf 225, Azure auf 136, GCP auf 98, fast exakt korreliert mit den Marktanteilen. Bei den Mittelständlern liegt Hetzner bei 224, Ionos bei 747, OVHcloud jenseits der 18.000. Für on Premises gibt es nur Umfragen: 57 Prozent der Befragten berichten von zunehmenden Störungen, verzerrt durch den Beschwerde-Bias. Dazu kommt Ransomware als weitgehend hausgemachtes On-Premises-Problem: durchschnittlich 24 Tage bis zur Wiederherstellung, 816 Millionen US-Dollar Lösegeld laut Chainalysis. Die Cloud hat eigene Wunden, etwa die Actor-Token-Lücke bei Entra ID, doch beim Verwundbarkeitsmanagement spielen die Großen ihre Stärke aus. Das Fazit fällt hart aus: Wegen der Verfügbarkeit nicht zum Hyperscaler zu gehen, ist anhand der vorliegenden Daten eine gravierende Fehleinschätzung. Wer dennoch anders hostet, sollte gute Gründe dafür haben.

← Alle Publikationen von Christoph Puppe