Publikation von Christoph Puppe

Das Internet der Dinge verstärkt DDoS-Angriffe

2016 · iX 12/2016, S. 88–93 · Christoph Puppe

Im Herbst 2016 trafen die bis dahin schwersten verteilten Angriffe das DNS: Beim Angriff auf den Dienstleister Dyn am 20. Oktober wurden 1,2 Terabit pro Sekunde gemessen. Ursache war kein neuer Angriffsvektor, sondern schiere Masse: Das Internet der Dinge liefert Botnetze mit bis zu 500.000 Geräten ohne Updates, und weil viele Provider ausgehende Pakete nicht auf plausible Absenderadressen filtern, funktionieren Reflexionsangriffe über DNS, NTP oder SSDP mit Verstärkungsfaktoren bis 1000; ein Tag DDoS kostet auf dem Schwarzmarkt einen dreistelligen Dollarbetrag. Die damals kursierenden Gegenvorschläge, Störerhaftung für Gerätebesitzer und staatliches Zwangsdesinfizieren, seziert der Artikel als durchweg unrealistisch. Was bleibt, ist Vorsorge in Schichten: DDoS-resistente Architektur, Mitigation-Appliances, getrennte Anschlüsse für öffentliche und interne Dienste, Clean-Pipe-Angebote und vor allem die großen Content Delivery Networks mit Peering-Kapazitäten bis 10 Terabit/s; fürs DNS mehrere Server bei unterschiedlichen Anbietern. Und wer selbst Infrastruktur betreibt, darf nicht Mittäter werden: offene Resolver abschalten, Egress-Filter setzen. Der Trend hält an; wer die Verfügbarkeit seiner Angebote schätzt, muss selbst vorsorgen, und die Technik dafür ist verfügbar und bezahlbar.

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