Publikation von Christoph Puppe
Disput und Wahl: Adhocracy und Liquid Feedback
Zwei deutsche Softwaresysteme für Liquid Democracy im Vergleich: Adhocracy vom Liquid Democracy e.V. und Liquid Feedback der Public Software Group, beide im Umfeld von CCC und Piratenpartei entstanden. Die theoretischen Grundlagen, jederzeit widerrufbare, kumulierbare Delegation der eigenen Stimme und Vorzugswahl nach der Schulze-Methode, sind ohne Computer nicht praktikabel, und genau deshalb entstand die Software. Adhocracy verschmilzt Diskussion und Abstimmung in einer Oberfläche, die jeder bedienen kann, der ein Webforum kennt; im Einsatz war das System bei der Enquete-Kommission des Bundestages, der SPD-Fraktion, der LINKEN und der ZEIT. Liquid Feedback setzt die Idee konsequenter um: globale, automatisch verfallende Delegationen, feste Phasen mit Quoren vom Programmantrag (75 Tage, Zweidrittelmehrheit) bis zum Superschnellverfahren (zweieinhalb Stunden), aber kein Forum. Das Wahlcomputer-Urteil des Bundesverfassungsgerichts verlangt Nachprüfbarkeit „ohne besondere Sachkenntnis“, und die bietet keines der beiden Systeme. Das Urteil ist zweigeteilt: Für Firmen ist Adhocracy meist die erste Wahl; wer maximale Transparenz der Verfahren will, nimmt Liquid Feedback und lebt mit der Bedienung, denn das ist eine recht präzise Umsetzung von Politik 2.0, die aussieht wie Web 0.5.