Publikation von Christoph Puppe
Kommentar zum Cloud-Ausfall bei MS: Ist der Patient schon tot oder nur lädiert?
Erst ist die Cloud da, dann ist die Cloud weg, und oft nur ein bisschen vom einen oder vom anderen. Anlass ist der Teilausfall von Azure am 25. Januar 2023: Eine Änderung an einem Router im Microsoft-WAN zwang alle anderen Router zur Neuberechnung ihrer Routen, nach rund 45 Minuten war der Fehler behoben, Auswirkungen gab es bis mittags. Total war der Ausfall nie: Dienste waren langsam, Meeting-Teilnehmer verschwanden, andere merkten nichts. Genau diese Grauzone bilden heutige Service Level Agreements nicht ab, sie messen Verfügbarkeit binär. Die Medizin arbeitet mit besseren Maßeinheiten: Years of Life Lost für die tödliche Krankheit, Disability-Adjusted Life Years für das Weiterleben mit Einschränkung. Übertragen auf die IT ist der Totalausfall der Cloud-Tod; der viel häufigere Fall ist der DALY-artige Teilausfall. Wenn von 10 000 Microsoft-365-Nutzern 3000 eine Stunde nicht arbeiten können, welches SLA ist dann verletzt? Das Site Reliability Engineering hat die Werkzeuge längst parat: Service Level Indicators und Objectives, aus denen ein SLA entstünde, das den tatsächlichen Schaden abbildet. Nur hat kein Provider ein solches SLA im Angebot. Solange die Anbieter ihre Verfügbarkeit selbst binär definieren, bleibt der Patient auf den Behandlungskosten sitzen.
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