Publikation von Christoph Puppe

Was würde Willy Brandt sagen zur souveränen Cloud?

2024 · cloudahead · 27.10.2024 · Fachbeitrag von Gregor Schumacher mit Christoph Puppe

Interview von Gregor Schumacher mit Christoph Puppe als befragtem Experten. Souveränität und Autarkie werden in der Debatte um die europäische Cloud regelmäßig verwechselt: Souveränität heißt, Selbstbestimmung auszuüben, Autarkie vollständige Unabhängigkeit, und letztere ist kaum realisierbar, denn Abschottung bremst die Innovation. Die Größenordnungen sind ernüchternd: Amazon, Microsoft und Google investieren zusammen rund 120 Milliarden US-Dollar jährlich in Forschung und Entwicklung. Entsprechend nüchtern die Einschätzungen: Dem Delos-Projekt traut der Befragte einiges zu, Aktien würde er trotzdem keine kaufen; Gaia-X hat sich als wirkungslos erwiesen. Open Source ist wichtig, aber kein Allheilmittel: Unter den zwanzig größten Kubernetes-Beitragenden finden sich nur zwei europäische Firmen. Zugleich verteidigt er die Hyperscaler gegen den Schlangenöl-Vorwurf, nur gibt jeder Gang in die Cloud immer auch ein Stück Souveränität ab. Der Krieg in der Ukraine dient als Lehrstück: Die Verlagerung der Staats-IT zu AWS schützte die Daten vor physischer Zerstörung und hielt kritische Dienste am Laufen. Mit Willy Brandts Gedanken, die Welt als Einheit zu begreifen, läuft die Empfehlung auf weitere Nutzung der US-Dienste bei gezielter europäischer Entwicklung und stärkerer Open-Source-Förderung hinaus. Denn ein Netz wird stärker, wenn jeder seinen Teil gut macht.

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